Dabei begann für Bozen alles nach Plan. Die Talferstädter taten sich gegen die Gastgeber schwer, führten nach 30 Minuten aber planmäßig mit drei Toren Vorsprung (16:13). Zu allem Überfluss wurde Brixens „Verteidigungsminister“ Ivan Stuffer in der 24. Minute nach der dritten Zwei-Minuten-Strafe des Feldes verwiesen. Es schien alles auf einen deutlichen Sieg des Favoriten und bis dato ungeschlagenen Tabellenführers hinauszulaufen.
In der zweiten Halbzeit wendeten die aufopferungsvoll kämpfenden Brixner das Blatt. Sehr hart und manchmal vielleicht am Rande des Erlaubten kauften sie Bozen den Schneid ab. Im Tor steigerte sich Armin Michaeler im Vergleich zur ersten Halbzeit um Längen und hielt jetzt nahezu alles, was auf seinen Kasten zuflog. Und auf dem Feld waren der überragende Nikolic, aber auch der auffällige Kovacs die treibenden Kräfte. In der 41. Minute glich Nikolic zum ersten Mal aus, ehe Dejakum 180 Sekunden später die Bischofstädter zum ersten Mal in Führung schoss. Und die gab die von Nössing und Niederwieser mental optimal eingestellte Truppe bis zum Schlusspfiff nicht mehr her.
Bei Bozen, lief in den letzten 20 Minuten so gut wie gar nichts mehr zusammen. Die bereits gegen Mezzocorona offenbarten Probleme in der Verteidigung kamen auch am Freitagabend zutage und gaben den Ausschlag über die erste Saisonniederlage der Weiß-Roten. 19 Tore in einer Halbzeit sind zu viel. Carapina erwischte einen rabenschwarzen Tag, während im Angriff Ball um Ball leichtfertig versemmelt wurde.
Nössing glaubt an Wunder, Milos schlechter Verlierer
„Ich habe vor dem Spiel gesagt, dass ich an Wunder glaube. Heute haben hier alle ein solches Wunder erlebt. Den Boznern haben wir gezeigt, dass wir auch da sind. Ein Riesenkompliment an meine Mannschaft, die immer an sich geglaubt hat“, sagte Nössing im Anschluss an das Spiel. Als schlechter Verlierer erwies sich der ansonsten als Grandseigneur bekannte und geschätzte Bozner Trainer Nikola Milos, der den Grund für die Niederlage ausschließlich bei einer überhart spielenden Brixner Mannschaft suchte und seinem Ärger im Fernsehinterview mit der RAI freien Lauf ließ. „Bozen hatte Mitte der zweiten Halbzeit Auflösungserscheinungen“, analysierte hingegen Nationaltrainer Franco Chionchio.
kommentieren